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14.01.2020

Brustimplantaterkrankung - Social Media-Hype oder Realität?

Brustimplantaterkrankung - Social Media-Hype oder Realität?

Unsere Experten geben Antworten auf die häufigen Fragen zum kontrovers diskutierten Thema „Brustimplantaterkrankung“

Frage: Was ist eine Brustimplantaterkrankung (abgekürzt: „BII“)?

Antwort: BII ist keine offizielle medizinische Diagnose. Frauen mit Brustimplantaten mit verschiedenen körperlichen Symptomen bringen diese mit ihren Brustimplantaten in Zusammenhang und bezeichnen diese als Breast Implant Illness (BII). Diese Symptome umfassen beispielsweise Müdigkeit, Brustschmerzen, Haarausfall, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Lichtempfindlichkeit und sonstige chronische Schmerzen, Hautausschlag, Körpergeruch, Angstzustände, Benommenheit, Schlafstörungen, Depressionen, neurologische und hormonelle Probleme. Betroffene Patientinnen sehen die Ursache dieser Probleme in ihren mit Kochsalzlösung gefüllten oder silikonhaltigen, texturierten oder glatten Brustimplantaten. Die jüngste Zunahme von Patienten, die Symptome der BII vermelden, scheint auf soziale Medien zurückzuführen zu sein. Es gibt eine Facebook-Gruppe mit mehr als 50.000 Mitgliedern, die alle von Symptomen einer BII berichten. Dies soll nicht heißen, dass soziale Medien die Ursache für die BII sind, sie können jedoch für die rasche Zunahme der Patientenberichterstattung verantwortlich sein.

Frage: Gibt es einen Zusammenhang zwischen medizinischen Silikonimplantaten und Autoimmunerkrankungen oder Bindegewebserkrankungen des rheumatischen Formenkreises? 

Antwort: Silikon ist ein Element, das in der Natur als kristallines Siliziumdioxid vorkommt. In Studien wurde gezeigt, dass in der Natur vorkommendes Silikon das Immunsystem bei bestimmten Grunderkrankungen wie systemischer Sklerose aktivieren kann. Das in Brustimplantaten verwendete Silikon wurde bisher nicht als Verursacher derartiger Erkrankungen nachgewiesen. Das in medizinischen Produkten verwendete Silikon existiert in der Natur nicht, es entsteht durch künstliche Hydroxylierung von Kieselsäure zu Polydimethylsiloxan.

Frage: Gibt es Tests, die auf einen Zusammenhang zwischen Brustimplantaten und Symptomen hinweisen, die als BII bezeichnet werden? 

Antwort: Es gibt keine speziellen diagnostischen Tests für BII. Dies ist einer der aktuellen Forschungsschwerpunkte der Aesthetic Surgery Education and Research Foundation, dem Forschungszweig der American Society for Aesthetic Plastic Surgery. Es gibt jedoch Tests für Autoimmunerkrankungen, die durchgeführt werden können, um mögliche Ursachen für die Symptome einer Patientin zu ermitteln.

Frage: Gibt es wissenschaftliche Daten, die belegen, dass die Ursache dieser Symptomen oder einer Krankheitsentität bei Brustimplantaten zu suchen ist? 

Antwort: 1999 führte ein Experten-Gremium des US-amerikanischen Institute of Medicine zur Überprüfung der Sicherheit von Silikon eine umfassende Sichtung der verfügbaren Literatur durch und kam zu dem Schluss, dass kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Silikonimplantaten und systemischen Erkrankungen nachgewiesen werden kann. Es wurden Studien in vielen verschiedenen Größen und Ausführungen analysiert, welche die Sicherheit von Brustimplantaten an sich untersuchen. Diese haben sich auch mit spezifischen Autoimmunerkrankungen und rheumatischen Erkrankungen befasst. Insgesamt zeigen diese Studien keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen Brustimplantaten und sonstigen Erkrankungen.

Frage: Verbessert die Implantatentfernung die Symptome der Patientin oder heilt sie eine medizinisch diagnostizierte Krankheit wie eine Autoimmunkrankheit? 

Antwort: Verschiedene Studien zeigen, dass die Symptome von Patientinnen nach der Entfernung ihrer Brustimplantate unterschiedlich stark verbessert werden. Einige zeigen eine dauerhafte Lösung der Symptome. Es gibt keine Studien, die spezifisch belegen, welche Symptome sich bei der Implantatentfernung mit oder ohne Kapselektomie bessern oder nicht. Derzeit gibt es keine endgültigen epidemiologischen Beweise für eine direkte Verbindung zwischen Brustimplantaten und einem bestimmten Krankheitsprozess. Dies bedeutet jedoch nicht, dass weitere Untersuchungen nicht angezeigt wären. Bei seltenen und ungewöhnlichen Krankheitsprozessen kann es Jahre dauern, bis eine wissenschaftliche Schlussfolgerung gezogen wird. Weitere Studien sind erforderlich, um festzustellen, welche der zahlreichen gemeldeten Symptome sich bei der Entfernung von Implantaten und Kapseln verbessern können oder ob Screening-Methoden entwickelt werden können, die Patientinnen im Vorfeld als möglicherweise Betroffene identifizieren. Das Fehlen einer direkten, nachgewiesenen wissenschaftlichen Verbindung bedeutet nicht, dass die Symptome, die bei diesen Patienten auftreten, nicht real sind.

Die Forschung kann derzeitig BII noch nicht definieren und kann daher nicht mit Sicherheit sagen, ob diese Erkrankung existiert. Wir haben keine Tests, die wir durchführen können, um ihre Existenz zu beweisen oder zu widerlegen. Wir können jedoch unsere Patientinnen ernst nehmen und mit ihnen zusammenarbeiten, um herauszufinden, wie man ihre Beschwerden am besten behandeln kann, sei es durch eine Implantatentfernung oder auf andere Weise.

Frage: Was sollte ein Arzt tun, wenn sich eine Patientin über Symptome einer BII beschwert? 

Antwort: Die Beschwerden der Patientin sollten ernst genommen werden. Ihre Symptome sind real und ob sie ihren Implantaten zugeordnet werden können oder nicht, ist nicht relevant, da es noch keine Methoden gibt, die Ursache oder den Zusammenhang zu beweisen oder zu widerlegen. 

Mögliche Optionen sind:

  • weitere medizinische Untersuchungen mit oder ohne Konsultation eines Rheumatologen,
  • weitere Beobachtung ohne zusätzliche medizinische Untersuchungen,
  • Implantatentfernung ohne Kapselentfernung,
  • Implantatwechsel mit oder ohne Kapselentfernung,
  • Entfernung mit vollständiger Kapsel (en bloc-Implantatentfernung).

Patienten, die Bedenken hinsichtlich einer BII haben, haben echte Symptome, die häufig nicht in eine bestimmte bekannte Krankheitseinheit eingeteilt werden können. Die verschiedenen Optionen müssen diskutiert werden und hoffentlich können wir mit weiterer Forschung feststellen, bei welchen Patienten eine Symptomverbesserung oder -behebung beim Entfernen ihrer Implantate und bei welchen Patienten möglicherweise keine Veränderung festzustellen ist. 

Frage: Wie hoch ist das Risiko, an BII zu erkranken? 

Antwort: Da es keinen endgültigen Zusammenhang zwischen der oft subjektiven und diversen Liste von Symptomen gibt und keine Methoden zum Testen, gibt es kein „bekanntes“ Risiko. Viele der von Brustimplantatpatientinnen beschriebenen Symptome treten regelmäßig auch bei Patientinnen ohne Implantate auf. Dies bedeutet nicht, dass eine potenzielle Verbindung abgeschrieben werden soll, es wurde jedoch bislang keine Verbindung hergestellt. Die Patientinnen sollten jedoch über die Risiken informiert werden, die mit Brustimplantaten verbunden sein können, einschließlich (aber nicht beschränkt auf) das BIA-ALCL, welches einem seltenen Spektrum von Erkrankungen angehört, die von einer gutartigen Ansammlung von Flüssigkeiten um das Implantat (Serom) bis hin zum extrem seltenen bösartigen Lymphom reichen können. Dabei sollten Patientinnen wissen, dass BIA-ALCL kein Krebs des Brustgewebes selbst ist und dass es leicht heilbar ist, wenn es früh diagnostiziert und behandelt wird.

Frage: Was sollte die Strategie sein, wenn nach der Diskussion der Risiken und der Möglichkeit, dass sich die Symptome nach der Implantat-Explantation nicht verlässlich bessern, die Patientin bei der Explantation eine „en bloc“ - oder „totale“ -Implantatentfernung verlangt? 

Antwort: Es gibt viele medizinische Ungenauigkeiten und ungesicherte Informationen, die durch das Internet verursacht werden. BII-Patientinnen neigen dazu zu glauben, dass eine totale Kapselentfernung notwendig ist, um alle vermeintlich „krankmachenden“ Substanzen zu entfernen, und wünschen diese, ohne ein vollständiges Verständnis dafür zu haben, welches chirurgische Ausmaß der Resektion für en bloc erforderlich ist. Zunächst sollten die Gründe besprochen werden, aus denen bei einer Patientin eine vollständige Kapselentfernung durchgeführt werden soll. Wenn eine Patientin einer Kapselentfernung unterzogen werden möchte, ist es wichtig, ihr zu erklären, dass nicht immer alle Kapselanteile entfernt werden können. Manchmal muss ein Teil der Kapsel zurückgelassen werden oder unter Verwendung von Elektrokauterisation zerstört werden, um eine signifikante Schädigung von Muskel, Rippe oder Lunge zu verhindern. Wenn die Patientin einen axillären oder einen Brustwarzen-Zugang für die Platzierung von Brustimplantaten hatte, muss der Patientin erklärt werden, dass sie das Verfahren nicht durch diese Einschnitte durchführen lassen kann. Es sollte klar sein, dass die en bloc-Implantatentfernung ein erhöhtes chirurgisches Risiko birgt, das eine Beeinträchtigung aller das Brustimplantat umgebenden Gewebe impliziert und dass wir nicht über genügend gesammelte Daten verfügen, um eine Besserung der Symptome zu gewährleisten, die als BII bezeichnet werden. In jedem Falle sollten die objektivierbaren Risiken und Nutzen einer en bloc-Implantatentfernung sorgfältig abgewogen werden, bevor diese Option gewählt wird. 


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